Bahnhofstrasse und Theaterplatz

Bahnhofstrasse und Theaterplatz, Luzern . Wettbewerb Text 1/4

Bahnhofstrasse und Theaterplatz

Verbindungsachse – vorhandene Strukturen stärken

Die Bahnhofstrasse und der Theaterplatz befinden sich an der Reuss im Herzen von Luzern. Das Areal dient heute primär als intensiv genutzter Durchgangsraum für Fussgänger, Fahrräder und motorisierter Individualverkehr. Die Bedürfnisse innerhalb des Raumes sind sehr vielschichtig und der Raum wird von unterschiedlichen Nutzergruppen beansprucht. Städtebaulich wird die Linie des Flussraums gestärkt und erkennbar bis zur Jesuitenkirche weitergeführt. Der Theaterplatz fungiert als Bindegliede zwischen Theatergebäude und der Jesuitenkirche. Durch den grosszügigen Grünbereich treten diese in eine Konversation und es entsteht ein gehaltvoller Raum, welcher bis ans Wasser rückt. 

Freiraum – neue Qualitäten schaffen

Entlang der Bahnhofsstrasse und auf dem Theaterplatz werden verschiedene Freiraumnutzungen in die bestehenden Strukturen integriert. Die Bahnhofsstrasse tritt mit widerstandsfähigen Blumeneschen durchgrünt in Erscheinung und wird durch Querverbindungen gegliedert. Diese Verbindungen korrelieren mit der Formensprache der Kapellbrücke. Es entstehen Platzsituationen, welche temporären Anlässen Raum bieten. Wochen- und Monatsmärkte können konfliktfrei durchgeführt werden. Die stark frequentierte Bewegungslinie Kapellbrücke – Rathaussteg vermag es, die Besucherströme aufzunehmen und gleichzeitig zu leiten. Auf der anschliessenden Promenade erreicht man flanierend Mikroplätze, die das Panorama und die Reuss inszenieren. Auf dem Areal des heutigen Theaters werden zurzeit verschiedene zukünftige Nutzungen diskutiert. Eine zurückhaltende Aussenraumgestaltung zwischen Theater und Jesuitenkirche ermöglicht die flexible Entwicklung des Platzes. Der direkte Wasserzugang lehnt sich in seiner Form an die Kapellbrücke an und verleiht dem Platz mithilfe der generösen Rasenflächen und des Baumrückens eine Grosszügigkeit. Weite Rasenflächen laden zum Sonnenbaden ein und werden durch einen Baumrücken gefasst. Axiale Bänderungen stärken den Bezug zur gegenüberliegenden Reussuferseite. Natursteinsegmente zonieren den Platz und leiten Fahrradfahrer über den Theaterplatz. Mit Kies eingestreuten Asphaltflächen erinnern an Konfetti der Fasnachtszeit und geben dem Raum weitere Struktur. Die Buvette befindet sich auf der Promenade nahe am Bahnhof und ist als Gegensatz zu den vorbeiziehenden Strömen als ein Ort des Ruhens konzipiert. Ein liegendes Vordach, die dunkle Farbgebung, die haptische Holzmaterialien und die transparente Erscheinung unterstreichen die Aufenthaltsqualität am Ort. Massive Mehrschichtholzplatten aus regionaler Produktion bestimmen die Konstruktion. Die Bodenplatte und Wände werden dabei direkt auf das Fundament aus einem steifen Stahlrahmen montiert. Feinmaschige Drahtseilnetze umspannen und betonen die Volumetrie der Buvette und stehen in einer formalen Ähnlichkeit zur Gestaltung der Landschaftsarchitektur. Ausserhalb der Betriebszeiten schliessen die Netze die Buvette vollständig ab. Für den Betrieb werden die Netze von innen an die Ecken geschoben und erzeugen so eine festliche Wirkung.

Erschliessung

Durch die Neuanordnung des Verkehrsregimes entsteht eine selbstverständliche Durchlässigkeit des Raumes. Die einzelnen Verkehrsteilnehmer werden durch die optische Gestaltung des Raumes selbsterklärend geführt. Dies trägt massgeblich zur Sicherheit und Wohlbefindens jedes einzelnen bei. Die Knotenbereiche sind als grosszügige und übersichtliche Plätze ausgebildet. Alle Notfallachsen sind ohne Einschränkungen befahrbar. Der Schnellverkehr wird nahe der Fassadenfront gebündelt geführt. Gewässerseitig wird eine grosszügige Fussgängerpromenade generiert.

Ort:
Bahnhofstrasse und Theaterplatz, Luzern
Auftraggeber:
Stadt Luzern
Partner:
Peter Vogt Landschaftsarchitektur
Wettbewerb:
2016